Ich armes kleines Maidlein (Text)

 

1. Ich armes Maidlein klag mich sehr,
wie soll mir nur geschehen?
Dass ich den Allerliebsten mein
so lang nit hab gesehen,
der mir die Zeit und Weil vertreibt,
sonst keiner auf dieser Erden,
wann ich gedenk, wie es ihm geht,
mein Herz in großen Trauren steht.
Ich kann nit fröhlich werden.

 

2. Ach reicher Gott, gib mir das Glück:
Wo er reit in dem Lande
bewahr ihm seinen graden Leib
vor Leid und auch vor Schande.
Das will ich immer danken dir
allzeit und alle Stunde;
wann ich gedenk, wie es ihm geht,
mein Herz in großen Trauren steht.
Kein Lieber soll mir werden.

 

3. Er zog mit meinem Willen nit hin,
doch war sein Herz mein Eigen.
Viel Gut's ich mich zu ihm versich
treu Dienst will ich ihm erzeigen.
Kein Falsch hat er an mir erkannt
an meinem ganzen Leibe.
Noch ist der Knab so wohlgemut.
Für ihn nähm ich nit Kaisers Gut:
Vergiss mein nit in Treuen!

 

 

 

 

Volkslied aus dem 16. Jahrhundert, Autor leider nicht bekannt